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Statement
von Haiforscher
Dr. Erich Ritter, Hofstra Universität
New York
Kein
anderes Tier hat die Faszination des Menschen über Jahrzehnte so in ihren
Bann gezogen wie der Superstar unter den Topräubern: Carcharodon
carcharias - der Weisse Hai. Das perfekte Model für Schnelligkeit,
Kraft und Jagdverhalten. Diese überwältigenden Charakterzüge lösen
eine Fantasie aus, die ihresgleichen sucht.
Noch
vor nicht allzu langer Zeit leerten sich Strände innerhalb von Sekunden,
wenn ein Hai gesichtet wurde, der eine Hysterie kreierte, die keine andere
Tiergruppe hervorrufen konnte. Ein Angstbild, das durch Fiktion und
falsche Medienberichte künstlich verursacht wurde, wobei der Weisse Hai
das grösste Monster von allen verkörperte. Aber wenn irgend etwas auf
dieses Tier zutrifft, so die Tatsache, dass das geschriebene und
gesprochene Wort meistens falsch ist. Weisse Haie sind nicht gefährlicher
als andere Grosstiere, die dem Menschen begegnen, und sie sind auch nicht
die hinterhältigen, unberechenbaren oder blutrünstigen Tiere, als die
sie permanent dargestellt werden. Sie sind nicht kaltblütige Mörder,
sondern lediglich unverstanden. Und genau dieses Unverständnis muss sich
ändern, wollen wir die düstere Zukunft dieser Tiere noch verbessern.
Ein Vernichten der Weissen Haie würde nicht nur eine der
wichtigsten Erfolgsgeschichten der Evolution eliminieren, es würde
gleichzeitig auch zeigen, dass die Menschenrasse nicht in der Lage ist,
den Planeten, auf dem sie leben, richtig zu kontrollieren.
Weisse
Haie, Superräuber an der Spitze der Nahrungsketten, haben als solche eine
wichtige Schlüsselstellung in vielen marinen Ökosystemen. Entgegen gängiger
Ansicht fressen sie sehr gezielt und sind keine Allesfresser, die in alles
hinein beissen, was ihren Weg kreuzt. Doch auch wenn sie sich sehr gezielt
ernähren, ist ihr
Fressverhalten in vielen Bereichen noch immer unbekannt. Obwohl oft
beschrieben, haben Weisse Haie in ihrer Jugend noch nicht diese typischen
dreieckigen Zähne, sondern eher längliche, um kleinere Fische zu fangen.
Kommen sie dann in die Geschlechtsreife, ändern sich die Zähne in die
bekannte Form um, was es ihnen erst dann ermöglicht, Seehunde zu fressen
oder sich von anderer grosser Beute zu ernähren. Die Jagdstrategien
dieser Tiere sind nach wie vor von Fragezeichen begleitet und das Wissen
basiert hauptsächlich aus gelegentlichen Beobachtungen aus
Booten, aus Magenanalysen oder Kadaveruntersuchungen. Zwar ernähren
sie
sich vorwiegend von lebenden Tieren, doch fressen sie auch tote Wale.
Zufolge Theorien sollen Weisse Haie ein Mal pro Woche fressen oder sogar noch
weniger, wobei sie sich dann auf vorwiegend energiereiche Quellen beschränken.
Weisse
Haie findet man in allen Meeren und überall haben sie als Topräuber eine
Schlüsselposition im Ökosystem und als Gesundheitspolizei.
Eine
Dichtenminderung durch Abschlachtung und Ausfischen kann sich zerstörerisch
auswirken und ganze Nahrungsketten eliminieren.
Weisse
Haie sind nur in wenigen Ländern geschützt, was nicht ausreichend ist,
um sie vor der Ausrottung zu bewahren.
Viele
Experten sind sogar bereits der Meinung, dass Weisse Haie "biologisch
ausgestorben" sind: Geschlechtsreife Tiere sind zwar noch vorhanden,
doch nicht mehr in der Dichte, dass sie ein Überleben der Art als solche
garantieren können.
Weisse
Haie leben bevorzugt in kalten und gemässigten Zonen, können jedoch im
Winter auch in subtropischen Gewässern gefunden werden. Obwohl man sie
auch in tiefen Wassern gefangen hat, bevorzugen sie die flachen Gewässer
mit einer Temperatur von weniger als 15 Grad Celsius.
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Weisse
Haie und andere Vertreter dieser Familie besitzen ein einzigartiges
physiologisches System, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen, welche
zwischen 10 und 15 Grad Celsius höher liegen kann, als das sie umgebende
Wasser. Eine solche Erhöhung der Körpertemperatur ermöglicht es den
Muskeln schneller zu kontrahieren und entsprechend mobiler zu sein - ein
Vorteil in kälteren Gewässern und gleichzeitig eine
Notwendigkeit, um schnelle und wendige Beute wie bspw. Seehunde zu
fassen.
Obwohl
Teile dieses Puzzles hier und da gefunden werden, sind doch noch viel zu
viele Teile ihrer Biologie ein Rätsel. So weiss beispielsweise niemand,
wo sich ihre Gebärplätze befinden, wie viele Nachkommen sie besitzen,
was deren Geburtsgröße ist, wann sie Geschlechtsreife erreichen und
nicht mal ihr Ursprung ist klar. Es scheint gesichert, dass die ersten
Weissen Haie vor etwa 6 Millionen Jahre in den Meeren auftraten, doch wer
waren ihre Vorfahren? Sicherlich war es nicht der Riesenweisshai "Megalodon".
Eine
Handvoll Wissenschafter hat begonnen, einzelne Fragestellungen zu
untersuchen. Die eine oder andere frühere Annahme zum Verhalten dieser
Tiere konnte entsprechend berichtigt werden, wie beispielsweise, dass ein
Weisser Hai einen Surfer mit einem Seehund verwechseln soll. Wäre diese
Theorie wirklich richtig gewesen, dann wären weltweit Strände permanent
mit verbissenen Brettern übersät und die Spitäler voll mit verletzten
Surfern.
Über
die Jahre hinweg untersuchte ich einige Fälle mit Surfern. Die
Verletzungen waren
immer sehr einzigartig und unterschiedlich zu Bissen an Seehunden.
Es waren nämlich keine richtigen Bisse, sondern eher Risswunden. Das
bedeutet; der Hai versucht herauszufinden, ob es eine fressbare Beute ist,
indem er diese mit seinem Gaumen in Berührung bringt ohne zu beissen.
Die eigentlichen Verletzungen, die manchmal zum Tode durch
Verbluten führen, entstehen durch die Reaktion des Opfers.
Und
trotzdem musste ich an angewandten Experimenten zeigen, was ich
postulierte: nämlich, dass ein Weisser Hai einen Menschen nicht mit einem
Seehund verwechselt. Dies hat zu einer Reihe von Versuchen geführt. Meine
Forschungsgruppe und ich versuchten Seehunde zu imitieren, indem wir
schwarze Anzüge trugen und uns frei mit den Weissen Haien bewegten - ohne
Schutzmassnahmen - um Reaktionen zu erwirken, die mit einer Verwechslung
in Zusammenhang gebracht werden könnten. Das Resultat war eindeutig.
Weisse Haie sind in der Lage zwischen bekannten Objekten - beispielsweise
Seehunden - und uns zu unterscheiden, unabhängig, ob wir auf einem
Surfboard sitzen, an der
Wasseroberfläche treiben oder tauchen.
Daneben spielt es auch keine Rolle, ob man schwarz trägt oder
nicht. Unter dem Strich scheint Farbe die Unfallrate nicht zu erhöhen.
Man hört und liest oft, dass grelle Farben Haie anlocken sollen und dies
zu einer erhöhten Bissrate führen soll. Die häufigst genannte Farbe war
dabei Gelb. Diese Idee hatte ihren Ursprung in früheren Jahren,
als Wissenschafter solche Dinge lediglich annahmen, aber nicht an
Tieren testeten. Superräuber haben einen "eingebauten"
Mechanismus, der sie sehr vorsichtig werden lässt, wenn sie sich etwas
Unbekanntem nähern, da dieses Unbekannte eben potentiell gefährlich sein
könnte. Unsere Versuche sind noch nicht abgeschlossen, doch sind wir
bereits über dem Niveau hinaus, wo wir noch in die Ausnahme der Regel
eingereiht werden könnten. Neben Verwechslungs- oder Farbentheorien als
ein Grund für Haiunfälle, sind auch noch viele andere Annahmen nie
getestet worden und trotzdem erschienen sie Jahre später in
entsprechenden Büchern und wurden überall als Tatsache angenommen
- das Unterlassen von Tests ist ein tödlicher Fehler aller
Theorien.
"Schutz
durch Ausbildung" ist ein wichtiger Schlüssel zur Erhaltung der
Weissen Haie. Die wichtigsten Werkzeuge
dabei sind das Interagieren mit ihnen und das Beweisen, dass,
befolgt man gewisse Regeln, ein Tauchen in unmittelbarer Nähe dieser
Tiere möglich ist, ohne
angegriffen zu werden. Die Verbreitung dieser Tatsachen ist mehr als nur
notwendig, um den Grossen Weissen Hai endgültig vom Image des scheinbaren
Monsters zu entlasten.
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